Wenn die Agentur für Arbeit eine Fortbildung verweigert

 

Arbeitnehmer, die in Deutschland nicht im Niedriglohnsektor landen möchten, müssen sich weiterqualifizieren. Leichter gesagt als getan.

Ihnen wurde gekündigt. Sie sind arbeitslos. Auf intensive Bewerbungsbemühungen folgen nur Absagen. Was können/sollten Sie tun?

Zuerst die schlechte Nachricht: Wenn Sie kein Vermögen angespart haben, um sich weiter zu qualifizieren bzw. einen neuen Beruf zu lernen, könnte hier bereits das gesellschaftliche Aus lauern. Die Endstation. Hartz IV.

Ach so. Sie haben jahrzehntelang Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt – etliche tausend Euros. Daher muss die Agentur für Arbeit Ihnen helfen auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen?

Theoretisch ja. In der Praxis wird das aber leider immer seltener. Ihre gezahlten Beiträge zu Ihrer Arbeitslosenversicherung werden an anderen Stellen benötigt. Sie sind nur ein Einzelschicksal. Ihre Steuern und Abgaben werden für systemrelevante Ziele und höhere Ideen verbrannt: zum Beispiel für ein vereinigtes Europa; oder etwas banalere Dinge wie neue Gewehre für die Bundeswehr, mit denen man Ziele auch treffen kann; oder ehrgeizige Großbauprojekte wie Flughäfen, auf denen nie ein Flieger starten oder landen wird.

Okay, das wissen Sie alles selbst. Was ist dann die gute Nachricht?

Vielleicht die, dass Sie auf die Kostenübernahme für eine notwendige Fortbildung oder Umschulung klagen können. Das ist aber beschwerlich, da Ihr Sachbearbeiter/Fallmanager sogenannte Ermessensentscheidungen treffen darf, das heißt auf gut deutsch, wenn diesem Staatsdiener Ihre Nase nicht gefällt, finden Sie sich evtl. in einer Einrichtung für Leute mit Lernbehinderung wieder oder Sie werden anderweitig beschäftigt (Eingliederungsvereinbarung), um dann nach zwölf Monaten im Almosen- und Sanktionssystem Hartz IV zu landen.

Der Rechtsweg kostet Geld. Sie sollten für diesen Fall vorgesorgt haben. Von Vorteil wäre hier die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, die die Kosten für das Verfahren übernimmt und Ihnen auch einen Rechtsanwalt zur Seite stellt. Sie können aber auch ohne Rechtsbeistand eine Klage vor Gericht einreichen.

Der Rechtsweg

Wenn Sie den Rechtsweg beschreiten, sollten Sie einige Punkte unbedingt beachten:

1) Sie müssen rechtzeitig (bevor das Arbeitslosengeld I ausläuft) einen schriftlichen Antrag bei der Agentur für Arbeit auf Kostenübernahme für eine berufsspezifische Fortbildung stellen. Suchen Sie sich selbst einen passenden Kurs. Einzige Bedingung ist: Die angestrebte Weiterqualifizierung muss förderfähig sein. Die Agentur für Arbeit betreibt ein Weiterbildungsportal, auf dem Sie etliche Angebote finden: http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/.
Sie können auch, wenn Sie bereits Arbeitslosengeld II beziehen, klagen, doch sind hier die Aussichten auf Erfolg wesentlich geringer, da die Alg.-II-Gesetze extra dafür geschaffen wurden, damit die Behörden Ansprüche leichter abschmettern können.

2) Aufgrund Ihres schriftlichen Antrages müssen Sie dann einen behördlichen Bescheid bekommen. Gegen diesen Ablehnungsbescheid können Sie klagen.

3) Sie müssen nachweisen, dass Sie sich bemüht haben, eine Arbeitsstelle zu finden.
Schicken Sie Ihrem Sachbearbeiter eine Liste Ihrer Bewerbungsbemühungen per E-Mail oder per Post (an die Agentur für Arbeit/Jobcenter immer per Einschreiben), auch wenn er sagt, dass er so eine Liste nicht benötigt. Vor Gericht wird die Agentur für Arbeit in jedem Fall behaupten, Sie hätten sich nicht ausreichend um eine neue Anstellung bemüht. Ihr Sachbearbeiter wird sich an kein Gespräch zu dem Thema erinnern.

Agentur für Arbeit fingiert Beweise

4) Machen Sie sich bei dem Verfahren auf einiges gefasst. Die Agentur für Arbeit schreckt auch vor gefälschten Beweisen nicht zurück, um Ihren Antrag auf Weiterqualifizierung ins Leere laufen zu lassen. Bilder unten: Um nachzuweisen, dass es für die angestrebte Qualifizierung keine Stellen auf dem Arbeitsmarkt gibt, verweist die Agentur für Arbeit auf irgendein Portal im Internet (Jobbörse.de), während im selben Zeitraum in der Stellenbörse der Arbeitsagentur tausende, relevante Stellenangebote zu finden sind.

 

Die Suchmaschine der Stellenbörse der Arbeitsagentur ist so programmiert, dass sie nur die ersten zweihundert Treffer anzeigen kann. Gesucht wurde nach: Online-Redakteur, Texter, Content nur für die Region Bayern, auf ganz Deutschland hochgerechnet waren in dem Suchzeitraum tausende Stellen online. Zusätzlich gibt es etliche Angebote von Arbeitgebern , die niemals bei der Agentur inserieren würden (Arbeitssuchende wissen das.).

Bild: Die Suchmaschine der Stellenbörse der Arbeitsagentur ist so programmiert, dass sie nur die ersten zweihundert Treffer anzeigen kann. Gesucht wurde nach: „Onlineredakteur, Texter, Content“ nur für die Region Bayern. Auf ganz Deutschland hochgerechnet waren in dem Suchzeitraum tausende Stellen online. Zusätzlich gibt es etliche Angebote von Arbeitgebern , die niemals bei der Agentur inserieren würden (Arbeitssuchende wissen das.).

5) Sie brauchen Geduld. Es kann lange dauern, bis vor Gericht verhandelt wird. Ein bis zwei Jahre Wartezeit bis zur Verhandlung sind leider keine Seltenheit. (Wenn Ihr Eilantrag abgelehnt wurde, was meistens der Fall ist.)

Die Agentur für Arbeit sollte Arbeitslosigkeit bekämpfen, nicht die Arbeitssuchenden. up

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