„Ich-AGs“ nennt sie heute keiner mehr – die prekären Selbstständigen. Die „Ich-AGs“ waren eine weitere Totgeburt aus dem Wirtschaftsministerium. Arbeitslose sollten sich selbstständig machen. Hierfür gab es Miniförderungen von manchmal nur 50 Euro pro Monat für ein halbes Jahr, einen wasserdichten Businessplan mussten die künftigen „Unternehmer“ erst gar nicht vorlegen. Es ging eigentlich nur darum, die Arbeitslosen kurzfristig aus dem Leistungsbezug zu kicken.

Die Milchmädchenrechnung

Eine Firma hat Schwierigkeiten. Es fehlen Aufträge. Mitarbeiter werden gekündigt, sind arbeitslos. Das zuständige Arbeitsamt empfiehlt fünf Ex-Mitarbeitern dieser Firma sich selbstständig zu machen, jeder soll eine „Ich-AG“ gründen. In der Region hat die Firma nun fünf neue Mitbewerber und es gibt immer noch zu wenig Aufträge. Na, klingelt‘s?

Was hat das mit der FDP zu tun?

Der Gründer unserer kleinen Firma in Schieflage war in guten Zeiten vermutlich ein Wähler der FDP, der Partei der Besserverdiener. Der Erfolg seiner Firma mit einigen vollzeitbeschäftigten Facharbeitern war nur möglich, da es auf dem Arbeitsmarkt Regeln und Rahmenbedingungen gab, die vom Staat und seinen Institutionen überwacht wurden. Eine dieser Regeln war, dass sich nur ein Meister in seinem Beruf selbstständig machen kann. Um die „Ich-AGs“ zu ermöglichen, wurde der Meisterzwang abgeschafft. Das war der Todesstoß für viele kleine Firmen mit einigen Vollzeitbeschäftigten. Die plötzlich massenhaft auftretende Billigkonkurrenz verdirbt die Preise am Markt. Selbst gut eingeführte Unternehmen gehen pleite.

Es gibt aber auch Profiteure der Deregulierungen auf dem Arbeitsmarkt: Ich kenne einen Verlag, der hat sämtliche Festangestellte, von der Buchhalterin bis zum Korrektor, entlassen, um sie dann durch prekäre Selbstständige zu ersetzen. Vorteil für das Unternehmen: Es spart sich sämtliche Lohnnebenkosten. Dieser Verlag führt regelmäßig Auftragscastings durch. Wenn er Buchaufträge hat, schaltet er eine Annonce in der Tageszeitung, dann bestellt er alle selbstständigen Grafiker und Mediendesigner, die sich melden, zu sich. Es bekommt aber nur einer den Auftrag. Diese Selbstständigen sind nicht privilegiert und schon gar keine Besserverdiener.

Die FDP hätte ihr Klientel, die kleinen Firmeninhaber, die ein paar Festangestellte beschäftigen, besser schützen müssen. Mit diesen Firmen ist auch die FDP untergegangen. up

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